Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0394 Geiselstellung an Konsul Marcus Furius Camillus durch die Falisker
Name
-0394 Geiselstellung an Konsul Marcus Furius Camillus durch die Falisker
Vorausgegangener Konflikt
Belagerung von Falerii
Datum/Zeitangabe
-394
Inhalt/Kommentar
Die Figur des Camillus ist sehr legendenhaft und ist vor allem Projektionsfläche für diverse römische Tugenden geworden, die sich in Exempla wie dem vorliegenden ausdrücken: Nachdem Camillus das Angebot eines verräterischen Lehrers aus dem belagerten Falerii, die Kinder der Falisker in seine Gewalt zu bringen, abgelehnt hatte (Liv. 5.27.1-9; Frontinus, Strategemata, 4.4.1; Plutarch, Camillus 10.2f.; Val. Max. 6.5.1; Polyainos 8.7.1), ergaben sich die Falisker angesichts seines Gerechtigkeitssinns (fides) und boten unter anderem Geiseln an. Ob diese angenommen wurden, bleibt unklar. Jedenfalls musste die Stadt den Sold für das römische Heer für ein Jahr zahlen. Die Version bei Frontinus ist die einzige, in der die vom Lehrer den Römern zugeführten Kinder als "obsides" bezeichnet werden, obwohl es sich nicht um absprachegemäß gestellte, sondern unfreiwillig genommene Geiseln handelt. Wahrscheinlich ist Frontinus bei der Zusammenfassung seiner Vorlage (Wahrscheinlich Livius) ein Fehler unterlaufen: Weil wenig später tatsächlich Geiseln angeboten werden und das ganze im Kontext einer Belagerung (obsidio) stand, wird sich die falsche Assoziation eingestellt haben.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Sextus Iulius Frontinus, Strategemata, 4.4.1.
Quellentext
Camillo Faliscos obsidenti ludi magister liberos Faliscorum tamquam ambulandi causa extra murum eductos tradidit, dicens retentis eis obsidibus necessario civitatem imperata facturam. Camillus non solum sprevit perfidiam, sed et restrictis post terga manibus magistrum virgis agendum ad parentes tradidit pueris, adeptus beneficio victoriam, quam fraude non concupierat: nam Falisci ob hanc iustitiam sponte ei se dediderunt.
Übersetzungen
Während Camillus Falerii belagerte, nahm ein Schullehrer die Söhne der Einwohner unter dem Vorwand, er wolle mit ihnen spazieren gehen, vor die Mauern mit, führte sie dem Camillus zu und sagte, die Stadt könne, wenn Camillus sie als Geiseln behielte, zum Gehorsam gezwungen werden. Camillus wies nicht nur den Verrat mit Verachtung zurück, sondern er ließ auch dem Lehrer die Hände auf den Rücken binden und ihn von den Kindern mit Rutenschlägen zu den Eltern treiben und errang durch diese gute Tat den Sieg, den er durch Tücke nicht hatte gewinnen wollen. Die Einwohner von Falerii ergaben sich ihm nämlich wegen dieser redlichen Gesinnung aus freien Stücken.
 
#2
Quellenangabe
Liv. 5.27.11-15.
Quellentext
[11] Fides Romana, iustitia imperatoris in foro, in curia celebratur, consensuque omnium legati ad Camillum in castra atque inde permissu Camilli Romam ad senatum, qui dederent Falerios, proficiscuntur. [12] Introducti ad senatum ita locuti traduntur: 'patres conscripti, victoria, cui nec deus nec homo quisquam invideat, victi a vobis et imperatore vestro dedimus nos vobis rati, quo nihil victori pulchrius est, melius nos sub imperio vestro quam legibus nostris victuros. [13] Eventu huius belli duo salutaria exempla prodita humano generi sunt: vos fidem in bello quam praesentem victoriam maluistis; nos fide provocati victoriam ultro detulimus. [14] sub dicione vestra sumus; mittite, qui arma, qui obsides, qui urbem patentibus portis accipiant. nec vos fidei nostrae nec nos imperii vestri paenitebit'. Camillo et ab hostibus et a civibus gratiae actae. Faliscis in [15] Stipendium militum eius anni, ut populus Romanus tributo vacaret, pecunia imperata. Pace data exercitus Romam reductus.
Übersetzungen
Die Redlichkeit der Römer, die Gerechtigkeit ihres Feldherrn wurde auf dem Forum und im Senatsgebäude gepriesen, und mit Zustimmung aller brachen Gesandte, die Falerii übergeben sollten, zu Camillus ins Lager auf und von dort mit Erlaubnis des Camillus zum Senat nach Rom. Sie wurden in den Senat geführt und sagten dort, wie es heißt, folgendes: "Senatoren, von euch und eurem Feldherrn durch einen Sieg bezwungen, den weder ein Gott noch ein Mensch euch neiden möge, ergeben wir uns euch, weil wir glauben, - das Schönste, was es für einen Sieger gibt - dass wir unter eurer Herrschaft besser leben werden als nach unseren Gesetzen. Der Ausgang dieses Krieges liefert dem Menschengeschlecht zwei heilsame Beispiele: Ihr habt Redlichkeit im Kriege einem sofortigen Sieg vorgezogen; wir, durch eure Redlichkeit herausgefordert, haben euch den Sieg freiwillig zuerkannt. Wir sind euch untertan. Schickt Leute, die die Waffen, die Geiseln, die Stadt mit offenen Toren übernehmen sollen. Ihr werdet mit unserer Treue so wenig unzufrieden sein wie wir mit eurer Herrschaft." Sowohl die Feinde als auch die Mitbürger sprachen Camillus ihren Dank aus. Die Falisker mußten den Soldaten den Sold für dieses Jahr bezahlen, damit das römische Volk keine Kriegssteuer zu entrichten brauchte. Nachdem der Friede gewährt war, wurde das Heer nach Rom zurückgeführt.
Literatur (Auswahl)
Walker, Hostages, S. 218, Case-Nr. 31, 32.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Marcus Furius Camillus, Konsul
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Falisker
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
außerchristlich
Art der Übereinkunft
Unterwerfung
Geltungsbereich
Falerii
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
(Keine Auswahl)
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Antritt der Vergeiselung
unbekannt
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
pax
Terminus 'Übereinkunft'
se dediderunt; sub dicione sumus = Deditio