Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
0849 Geiselstellung an Ludwig den Deutschen durch die Böhmen
Name
0849 Geiselstellung an Ludwig den Deutschen durch die Böhmen
Vorausgegangener Konflikt
Grenzkonflikte an der sorbischen Mark
Datum/Zeitangabe
849
Inhalt/Kommentar
Im Rahmen eines Aufstandes unternimmt Ludwig der Deutsche zusammen mit den Großen seines Reiches, darunter der Bayernherzog Ernst, einen Heerzug nach Böhmen. Nach ersten Gefechten entsenden die Böhmen Gesandte zu Thachulf, dem Herzog der sorbischen Mark, mit dem Angebot, sich zu unterwerfen und Geiseln zu stellen. Als dieser nach ersten Verhandlungen die Kämpfe wieder aufnimmt, muss er sich nach anfänglichen Erfolgen zurückziehen. Nach der Stellung von Geiseln an die Böhmen, dürfen Tachulf und seine Männer abziehen.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Annales Fuldenses sive annales regni Francorum orientalis/ab Einhardo, Ruodolfo, Meginhardo Fuldensibus Seligenstadi, Fuldae, Mogontiaci conscripti cum continuationibus Ratisbonensi et Altahensibus. Post ed. G. H. Pertzii recogn. Fridericus Kurze (MGH SS 7). Hannover 1891, S. 38.
Quellentext
Boemani more solito fidem mentientes contra Francos rebellare moliuntur . Ad quorum perfidos motus comprimendos Ernustus, dux partium illarum et inter amicos regis primus , comitesque non pauci atque abbates cum exercitu copioso mittuntur. Barbari vero pro pace et securitate sua obsides se daturos et imperata facturos per legatos ad Thaculfum directos promittunt, cui prae ceteris credebant quasi scienti leges et consuetudines Sclavicae gentis; erat quippe dux Sorabici limitis [...]
Cumque quibusdam ex primatibus per missos suos legatorum verba nuntiasset cupiens, dignati sunt aliqui eorum adversus eum, quasi ceteris praeferri summam rerum gerendarum in se vellet inclinare; et citato impetu inconsultis ceteris bellum hostibus paci studentibus intulerunt statimque experti sunt, quid sine timore Dei propria discordium possit virtus et audacia. Hostes enim superiores effecti caedendo persecuti sunt eos usque castra occisorumque spolia in conspectu eorum secure detrahentes tantis eos terroribus affecerunt, ut evadendi spe penitus privarentur. Unde coacti obsides dabant eis, a quibus suscipere dedignati sunt, ut inlaesi ab hostibus et via tantum publica pergentes in patriam reverti potuissent.
Übersetzungen
Die Böhmen sannen in gewohnter Weise treubrüchig auf Empörung gegen die Franken. Ihre treulosen Bewegungen zu unterdrücken, wurde Ernst, ein Herzog dieser Gegenden, auch unter des Königs Freunden der erste, dazu nicht wenige Grafen und Äbte mit zahlreichem Heere abgeschickt. Aber die Barbaren versprachen, Geiseln für Friede und Sicherheit zu stellen und die Befehle auszuführen, durch Gesandte, die sie an Thachulf schickten, da er mit den Gesetzen und Bräuchen des slavischen Volkes bekannt war [...]
Als er einigen Vornehmen durch seine Boten die Worte der Gesandten melden ließ, nahmen ihm das etliche von diesen übel, als ob er in dem Wunsche den übrigen vorgezogen zu werden, die oberste Lenkung an sich ziehen wollte; und in
schnell erneuertem Angriff, ohne die übrigen zu befragen, fingen sie mit
den Feinden, die sich um Frieden bemühten, Krieg an, mußten aber sogleich
erfahren was ohne die Furcht Gottes die Zwieträchtigen eigene Kraft und Kühnheit vermag. Denn die Feinde gewannen die Oberhand, verfolgten sie unter beständigem Blutbad bis in das Lager, zogen vor ihren Augen ungestört die Rüstungen der Gefallenen ab und erfüllten sie mit solchem Schrecken, daß sie die Hoffnung zu entkommen völlig verloren. Also mußten sie Geiseln geben an die, von denen sie deren verschmäht hatten anzunehmen, damit sie nur unversehrt von den Feinden und bloß auf gemeiner Straße in ihr Vaterland zurückkehren konnten.
(Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil: Jahrbücher von Fulda; Reginos Chronik; Notkers Taten Karls. Neu bearb. von Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 7). 4., gegenüber der 3. um einen Nachtrag erw. Aufl. Darmstadt 2002, S. 37-39)
Quellenart
Annalen
Literatur (Auswahl)
Roither, Elisabeth Irmgard: Begegnungen und Konfrontationen Böhmens mit dem Reich zwischen Ludwig dem Deutschen und Heinrich II. Diplomarbeit. Wien 2008, p. 22-23. [http://othes.univie.ac.at/1457/]
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Ludwig der Deutsche (†876)
Rolle
Vertragspartner
Dynastie
Karolinger
 
#2
Name, Titel/Rang
Tachulf, Herzog der sorbischen Mark
Rolle
Vertragspartner
 
#3
Name, Titel/Rang
Böhmen
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
innerchristlich
Art der Übereinkunft
Geleit
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
keine Angaben
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Antritt der Vergeiselung
ja
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
securitas