Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0213: Geiselstellung von Publius und Gnaeus Cornelius Scipio an König Syphax von Westnumidien
Name
-0213: Geiselstellung von Publius und Gnaeus Cornelius Scipio an König Syphax von Westnumidien
Vorausgegangener Konflikt
2. Punischer Krieg
Datum/Zeitangabe
-213
Inhalt/Kommentar
Drei Centurionen werden von den Scipionen für Verhandlungen von Spanien nach Afrika zu Syphax geschickt. Ein Treffen in dessen Hauptstadt Cirta dürfte wahrscheinlich sein. Das beschriebene Vorgehen ist üblich im Gesandtschaftsverkehr und anderweitig belegt: Von einer Gesandtschaft bleibt ein Teil zurück als Vertrauensbeweis. Von einer Freilassung nach ende der Verhandlungen ist auszugehen. Gelegentlich wird dafür Geiselterminologie gebraucht (Liv. 28.35.4)). In diesem Fall ist ein Römer die Geisel, sodass die römische Quelle den Ausdruck vermeidet, um die höhere 'dignitas' von Syphax nicht anzuerkennen. Stattdessen wird es so dargestellt, als bedürften die Numider der römischen Hilfe zur Ausbildung ihrer Infanterie.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Liv. 24.48.1-8.
Quellentext
Eodem anno P. et Cn. Cornelii, cum in Hispania res prosperae essent multosque et veteres reciperent socios et novos adicerent, in Africam quoque spem extenderunt. Syphax erat rex Numidarum, subito [2] Carthaginiensibus hostis factus; ad eum centuriones tres legatos miserunt, [3] qui cum eo amicitiam societatemque facerent et pollicerentur, si perseveraret urgere bello Carthaginienses, gratam earn rem fore senatui populoque Romano et adnisuros, ut in tempore et bene cumulatam gratiam referant. [4] Grata ea legatio barbaro fuit; conlocutusque cum legatis de ratione belli gerundi, ut veterum militum
verba audivit, quam multarum rerum ipse ignarus esset, ex comparatione tam ordinatae disciplinae animum advertit. [5] Tum primum, ut pro bonis ac fidelibus sociis facerent, oravit, ut duo legationem referrent ad imperatores suos, unus apud sese magister rei militaris restaret: rudem ad pedestria bella Numidarum gentem esse, equis tantum habilem; [6] ita iam inde a principiis gentis maiores suos bella gessisse, ita se a pueris insuetos; sed habere hostem pedestri fidentem Marte, cui si aequari robore virium velit, et sibi pedites comparandos esse, [7] et
ad id multitudine hominum regnum abundare, sed armandi ornandique et instruendi eos artem ignorare. omnia velut forte congregata turba vasta ac temeraria esse. [8] Facturos se in praesentia, quod vellet, legati respondent, fide accepta, ut remitteret extemplo eum, si imperatores sui non comprobassent
factum. [9] Q. Statorio nomen fuit, qui ad regem remansit.
Übersetzungen
Im gleichen Jahr erweiterten die beiden Scipionen Publius und
Cornelius ihr Interesse sogar auf Afrika, denn in Spanien verlief
alles nach Wunsch: sie gewannen viele alte Bundesgenossen zurück,
viele neue bekamen sie hinzu. Syphax war der König der Numider;
unerwartet wurde er ein Feind der Karthager. An ihn schickten
sie drei Hauptleute als Gesandte, um mit ihm Freundschaft und
Bündnis schließen zu lassen. Sie ließen ihm versprechen, wenn er
den Krieg gegen die Karthager beharrlich fortsetze, werde dies
dem römischen Senat und Volk sehr recht sein; die Römer würden
sich Mühe geben, dies zu gegebener Zeit und in reichlichem Maße
zu vergelten. Diese Botschaft kam dem Barbaren gerade recht.
Er unterhielt sidi mit den Gesandten über die Art der Kriegführung
und vernahm die Äußerungen dieser alten Krieger. Aus
dem Vergleich mit einer so geordneten Ausbildung merkte er, wievieles
er selbst noch nicht wußte. Da bat er zuerst darum, wie es
sich für gute und treue Bundesgenossen gehört, zwei von ihnen
sollten mit der Antwort zu ihren Feldherrn zurückgehen, einer aber
als Inspekteur des Kriegswesens bei ihm bleiben. Seine Numider
seien infanteristisch gar nicht ausgebildet und nur zum Reiten
brauchbar. So hätten schon die Vorfahren seit den frühesten Zeiten
ihres Volkes Kriege geführt, so seien sie es selbst von frühester Jugend
an gewöhnt. Er habe aber einen Feind vor sidi, der sich auf
sein Fußvolk verlasse; wenn er ihm gewachsen sein wolle, müsse
auch er sich eine Infanterie anschaffen. Hierzu gäbe es in seinem
Reich Menschen im Überfluß; nur die Kunst, sie zu bewaffnen,
auszurüsten und aufzustellen, beherrschten sie nicht. Bei ihnen sei
alles plump und planlos wie bei einem zufällig zusammengelaufenen
Haufen. Die Gesandten antworteten ihm, sie wollten vorläufig
seine Wünsche erfüllen, ließen sich aber von ihm versprechen, den
einen sofort zurückzuschicken, wenn ihre Feldherrn die Zustimmung
versagten. Quintus Statorius hieß der Mann, der beim König
zurückblieb. (Hillen)
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Gnaeus Cornelius Scipio / Legat
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Syphax / König
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Westnumidien
 
#3
Name, Titel/Rang
Publius Cornelius Scipio / Proconsul
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#4
Name, Titel/Rang
Quintus Statorius / Centurio
Rolle
Unterhändler
Zugehörigkeit
Rom
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
Bündnis
Ort der Geiselstellung
Cirta (?)
Weitere Sicherheitsinstrumente
Verweise auf andere Fälle
Nr. 210 ; Nr. 716 ; Nr. 717
Befristung
Ja
Anzahl der Geiseln
1
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Name, Titel
Quintus Statorius / Centurio
Zugehörigkeit
Rom
Geschlecht
männlich
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Cirta / Westnumidien (?)
Unterbringung/Verwahrung
als Ausbilder der Infanterie
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
fides
Terminus 'Übereinkunft'
societas