Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
1630 Friedensvertrag von Regensburg
Name
1630 Friedensvertrag von Regensburg
Vorausgegangener Konflikt
Mantuanischer Erbfolgekrieg
Datum/Zeitangabe
13.10.1630
Inhalt/Kommentar
Nachdem Vincenzo I. Gonzaga, Herzog von Mantua, 1612 starb, übernahm zunächst sein älterer Sohn Ferdinando Gonzaga (bis 1626) dessen Nachfolge, dann dessen Bruder, Vincenzo II.
Kurz vor seinem Tod (1627) verheiratete er seine Nichte, die Tochter von Ferdinando Gonzaga, mit Carlo I. Gonzaga (1580–1637), Herzog von Nevers. Dieser beanspruchte nach dem Tod Vincenzo II. die Erbfolge für das Herzogtum Mantua.
Der Herzog von Nevers konnte sich der Unterstützung durch Frankreich (Ludwig XIII.) sicher sein, da er zu einer der einflussreichsten und vermögendsten Adelsfamilien Frankreichs zählte. Außerdem hoffe Frankreich durch dessen Erbantritt politisch wieder in Oberitalien Fuß fassen zu können. Mantua lag strategisch wichtig an bedeutenden Handels- und Kommunikationswegen in Oberitalien.
Ferrante II. Gonzaga, Herzog von Guastalla, erhob als zweitnächster Verwandter von Vincent II., ebenfalls Anspruch auf Mantua. Er argumentierte, dass Carlo I. Gonzagas Vater gegen den Kaiser gekämpft hätte und dieser somit alle Ansprüche auf ein Reichslehen verwirkt hätte. Sein Anspruch wurde von Spanien unterstützt, dass eine Ausweitung des französischen Machtbereichs in Norditalien, insbesondere im strategisch wichtig gelegenen Mantua, fürchtete. Gleichzeitig hatte die Region enorme strategische Bedeutung für die spanische Krone, da die sogenannte ‚Spanische Straße‘ (eine Handelsroute zwischen den spanischen Besitzungen in Oberitalien, durch die Schweiz bis in die spanische Niederlande; wichtigste Verbindung der Habsburger Territorien außerhalb der iberischen Halbinsel) an den Herzogtümern vorbei führte.
Spanien übte daraufhin Druck auf den Kaiser Ferdinand II aus, woraufhin dieser eine Sequester, also eine ‚neutrale‘ Inbesitznahme der Gebiete, verhängte. Spanische Truppen marschierten 1628 gemeinsam mit dem Herzog von Savoyen in die Herzogtümer Mantua und Montferrat (dessen Erbfolge ebenso offen geworden war) ein. Ein Jahr später intervenierte Frankreich auf der Seite Nevers, 1629.
Im Herbst des gleichen Jahres marschierte schließlich ein kaiserliches Heer in Norditalien ein. Spätestens jetzt entwickelte sich der Erbfolgekrieg zu einem gesamteuropäischen Konflikt.
Auf dem Kurfürstentag in Regensburg im Sommer 1630 fanden schließlich Friedensverhandlungen statt. Der Kaiser sah sich zu Zugeständnissen gezwungen, da er im Norden durch die militärischen Erfolge des schwedischen König Gustav Adolf unter Druck gesetzt wurde.
Der Vertrag beinhaltete die Anerkennung des Herzoges von Nevers als rechtmäßigen Erbfolgen für die Herzogtümer Mantua und Monteferrat, bei geringer Entschädigung für die anderen Anwärter, sowie einen Truppenabzug. Gleichzeitig erklärte sich Frankreich durch den Vertrag zu einem Allgemeinfrieden gegenüber dem Kaiser verpflichtet.
Artikel XIII vereinbart eine wechselseitige Geiselstellung. Die durch den Kaiser und den frz. König gestellten Geiseln sollen von gleicher Qualität sein und einer dritten Partei (mehrere Optionen werden genannt) übergeben werden, die sie ehrenhaft zu behandeln hat. Festlegung des Vorgehens bei Vertragserfüllung sowie bei Vertragsbruch.
Der französische König verweigerte die Ratifikation des Vertrages, da die Bestimmungen über den Allgemeinfrieden die Befugnisse der Gesandten überschritten hätten und für französische Seite nicht tragbar seien.
Nach kurzzeitiger Wiederaufnahme der Kämpfe von französischer Seite wurde ein Jahr später, am 6. April 1631 der Frieden von Cherasco geschlossen. Damit endete der Mantuanische Erbfolgekrieg mit der Übergabe der Herzogtümer an Nevers, mit Ausnahme eines Teil des Herzogtum Monteferrat, dass an den Herzog von Savoyen überging, wofür von Nevers entschädigt wurde. Außerdem wurde der komplette Truppenabzug in der Region beschlossen.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Jean Dumont: Corps universel diplomatique du droit des gens, contenant un recueil des traités de paix, d'alliance &c. faits en Europe, depuis Charlemagne jusqu'à présent. Amsterdam 1729-1731, 8 Bde. (hier Bd. V, Teil II), S. 615-619.
Quellentext
XIII. Pour assurance des choses ci-dessus, l'Empereur & le Roi de France donneront de part & d'autre des Ostages de pareille qualité, qui feront consignez és mains de sa Sainteté, ou du Grand Duc de Toscane, ou de quelque autre Prince Catolique d'Allemagne, lequel les tiendra surement & gardera honorablement, jusqu'à-ce que ce que dit est, ait esté accompli; & que lesdits Pas des Suiffes & Grifons ayent esté delaissez & remis, & promettra de rendre les Ostages libres és mains de celui qui aura fatisfait, & de retenir les Ostages de celui qui, ou par briesveté de tems ou autrement, n'aura pû fatisfaire, jusqu'à-ce qu'il ait plainement executé ce à quoi il est obligé. Que si l'une desdites Parties de mauvaise foi ne veut de sa part accomplir le Traité, ses Ostages feront remis és mains de l'autre Partie, les Generaux des Armées d'Italie desdites Parties aviseront ensemble des personnes desdits Ostages, & de celui és mains desquels ils seront consignez. Que si mesme pour plus grande sureté & facilité desdits Ostages, lesdits Generaux d'Armées veullent arrester entr'eux quelque autre chose que ce que dit est, faire le pourront, & feront tenus de l'executer.
[...]
Übersetzungen
„Als Sicherheit für die oben stehenden Dinge, werden der Kaiser und der König von Frankreich Geiseln von gleicher Qualität stellen, welche in die Obhut ihrer Heiligkeit, des Großherzoges der Toskana oder irgend eines anderen katholischen deutschen Prinzen übergeben werden, dieser wird für ihre Sicherheit sorgen und ehrenvoll behandeln, bis das,was gesagt wurde, ausgeführt wurde: Wenn besagte Pas de Suiffes und Grifons verlassen und zurückgegeben worden sind, wird versprochen, die Geiseln freizugeben und die Hände von jenem zu übergeben, der zufriedenstellend gehandelt hat, es sollen die Geiseln von jenem zurückgehalten werden, der aufgrund der Kürze der Zeit oder anderen Gründen, nicht zufriedenstellend gehandelt haben wird und zwar so lang, bis das ausgeführt wurde, zu dem er verpflichtet ist. Sollte eine der beteiligten Parteien auf arglistige Weise seinen Teil des Vertrages nicht erfüllen wollen, werden seine Geiseln der anderen Partei übergegeben, Die Generäle der italienischen Armeen der beteiligten Parteien verständigen sich gemeinsam auf Geiseln und jenen, in dessen Hände sie gegeben werden sollen. Damit eine größere Sicherheit aber auch Einfachheit der Geiseln gewährleistet wird, wollen die Armeegeneräle untereinander festlegen, was vom bereits Gesagten abweicht, und sich möglichtst daran zu halten, dass dieses ausgeführt wird.“
Hyperlink zur Quelle
http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1263086r/f623 (Stand 29.06.2017)
Quellenart
Vertrag
Literatur (Auswahl)
Allgemein zum Mantuanischen Erbfolgekrieg:
Externbrink, Sven: Le coeur du monde. Frankreich und die norditalienischen Staaten (Mantua, Parma, Savoyen) im Zeitalter Richelieus 1624 – 1635. Münster 1999.
Gernert,Angelica; Groblewski, Michael: Von den italienischen Staaten zum ersten Regno d'Italia. Italienische Geschichte zwischen Renaissance und Risorgimento (1559–1814). In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill (Hrsg.): Kleine italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 185–256, hier S. 203 f.
Arnold, Thomas F.: Gonzaga Fortifications and the Mantuan Succession Crisis of 1613–1631. Mediterranean Studies. 4 (1994), S. 113–130.
Parrott, David: The Mantuan Succession, 1627–31: A Sovereignty Dispute in Early Modern Europe", in: English Historical Review (1997), 112 (445), S. 20–65.
Stradling, R. A.: Prelude to Disaster; the Precipitation of the War of the Mantuan Succession, 1627–29. Historical Journal (1990). 33 (4), S. 769–785.
Mariano Vignoli (a cura di): Castelli, guerre, assedi. Fortificazioni mantovane, bresciane e cremonesi alla prova del fuoco (secc. XIII-XVIII), Mantova 2008.

Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Kaiser Ferdinand II.
Rolle
Vertragspartner
Dynastie
Habsburger
 
#2
Name, Titel/Rang
Ludwig XIII., König von Frankreich
Rolle
Vertragspartner
Dynastie
Bourbon
Religiöse Konstellation
innerchristlich
Art der Übereinkunft
Friedensvertrag
Geltungsbereich
Oberitalien
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Ja
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Antritt der Vergeiselung
nein
Aufenthaltsort der Geiseln
- bei einem ‚neutralen Dritten‘, vorzugweise dem Papst, dem Großherzog der Toskana oder einem anderen deutschen katholischen Prinzen
Unterbringung/Verwahrung
s. Kommentar
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
assurance