Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0503 Geiselstellung an Rom durch die Volsker
Name
-0503 Geiselstellung an Rom durch die Volsker
Vorausgegangener Konflikt
Krieg gegen die Volsker
Datum/Zeitangabe
-503 / -495
Inhalt/Kommentar
Liv. II, 16, 8f. ist eine Dublette zu Liv. II, 22, 2 mit 25, 4f. In 16, 8f. werden die Aurunker wegen Verwechslung von Suessa mit Pometia als Gegner der Römer genannt. Aus der Stelle geht nicht klar hervor, ob die Geiseln nach der offenen Schlacht mit den Aurunkern genommen und getötet wurden oder ob sie ein Vorgriff auf das Resultat der Belagerung von Pometia sind. In jedem Fall impliziert die Ermordung, dass die Geiseln vor Ort übergeben wurden.
Bei Liv. II, 22, 1f. ziehen beide Konsuln von 495 v. Chr. gegen die Volsker als Strafe für ihr Verhalten im Latinerkrieg und erhalten kampflos 300 Geiseln aus Cora und Pometia. Im Anschluss setzen die Volsker jedoch die Aufrüstung fort und es kommt zum Krieg, der mit einem Schlachtenerfolg der Römer und der Einnahme Suessa Pometias endet (Liv. II, 25, 4f). Ein Abfall der beiden Kolonien zu den Volskern zu dieser Zeit wird von Ogilvie für möglich gehalten. Bei Dionysios ist es konkret der Konsul P. Servilius Priscus Structus, der den Kriegsvorbereitungen der Volsker zuvor kommt und die 300 Geiseln nimmt. Nach der Unterwerfung der Volsker werden diese Geiseln von seinem Amtskollegen Ap. Claudius hingerichtet; laut Dionysios als Warnung an andere Völker, die Rom Geiseln gestellt hatten. Da in der anschließenden Passage jedoch Ap. Claudius dem Servilius auch den Triumph streitig machen möchte, könnte die Tötung der Geiseln auch als ein Angriff auf den Kollegen gedeutet werden, der die Geiseln genommen hatte. Servilius beklagt sich vor dem Volk über den Widerspruch seines Kollegen und triumphiert schließlich eigenmächtig. Die ganze Episode scheint Triumphdebatten des zweiten Jhdts. v. Chr. wiederzuspiegeln. Die Tötung der Geiseln könnte als Erklärung für die Ablehnung des Triumphes eingefügt worden sein, da mit ihnen ein wichtiger Beleg der Unterwerfung verloren war.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Livius, II, 16, 8-17.
Quellentext
[...] de publico est datus. luxere matronae ut Brutum. Eodem anno duae coloniae Latinae, Pometia et Cora, ad Auruncos deficiunt. Cum Auruncis bellum initum, fusoque ingenti exercitu, qui se ingredientibus fines consulibus ferociter obtulerat, omne Auruncum bellum Pometiam compulsum est. Nec magis post proelium quam in proelio a caedibus temperatum est: et caesi aliquanto plures erant quam capti, et captos passim trucidaverunt; ne ab obsidibus quidem, qui trecenti accepti numero erant, ira belli abstinuit. Et hoc anno Romae triumphatum.
Übersetzungen
Im selben Jahr fielen zwei Latinerkolonien, Pometia und Cora, zu den Aurunkern ab. Gegen die Aurunker wurde der Krieg eröffnet. Nachdem das gewaltige Heer geschlagen war, das sich den Konsuln, die in ihr Gebiet einrückten, in wilder Wut entgegen geworfen hatte, konzentrierte sich der Krieg gegen die Aurunker ganz auf Pometia. Auch nach dem Kampf schonte man den Gegner ebenso wenig wie im Kampf; es waren weitaus mehr gefallen als in Gefangenschaft geraten, und auch die Gefangenen brachte man allenthalben um. Nicht einmal vor den Geiseln - man hatte 300 entgegengenommen - machte die Wut des Krieges halt. Auch in diesem Jahr gab es in Rom einen Triumph.
 
#2
Quellenangabe
Livius II, 22, 1f.
Quellentext
Cum Volscorum gente Latino bello neque pax neque bellum fuerat; nam et Volsci comparaverant auxilia, quae mitterent Latinis, ni maturatum ab dictatore Romano esset, et maturavit Romanus, ne proelio unocum Latino Volscoque contenderet. Hac ira consules in Volscum agrum legiones duxere. Volscos consilii poenam non metuentes necopinata res perculit; armorum immemores obsides dant trecentos principum a Cora atque Pometia liberos. Ita sine certamine inde abductae legiones.
Übersetzungen
Mit der Völkerschaft der Volsker hatte man während des Latinerkrieges weder Frieden noch Krieg gehabt. Denn einerseits hatten die Volsker Hilfstruppen aufgestellt, um sie den Latinern zu schicken, wenn sich der römische Diktator nicht so beeilt hätte; andererseits beeilten sich die Römer, um nicht in einem Kampf gleichzeitig mit den Latinern und den Volskern kämpfen zu müssen. Voll Zorn hierüber führten die Konsuln die Legionen in das Gebiet der Volsker. Bei den Volskern, die für ihre Absichten nicht mehr mit einer Strafe rechneten, löste das unvermutete Ereignis Bestürzung aus. Ohne an Widerstand zu denken, stellten sie 300 Kinder der angesehensten Familien aus Cora und Pometia als Geiseln. So wurden Legionen ohne Kampf von dort wieder weggeführt.
 
#3
Quellenangabe
Dionysios VI, 25, 2.
Quellentext
πολέμου ἄρχειν. ἐπειδὴ δ᾽ ᾔσθοντο πολεμεῖν δέον αὐτοὶ πολεμούμενοι, τότε δὴ καταπεπληγότες τὸ τῶν Ῥωμαίων τάχος, ἱκετηρίας ἀναλαβόντες ἐκ τῶν πόλεων οἱ γεραίτατοι προῄεσαν ἐπιτρέποντες τῷ Σερουϊλίῳ χρῆσθαι σφίσιν ὡς ἡμαρτηκόσιν ὅ τι βούλοιτο. ὁ δὲ τροφὰς τῷ στρατεύματι παρ᾽ αὐτῶν λαβὼν ἐσθῆτάς τε καὶ τριακοσίους υἱοὺς εἰς ὁμηρείαν ἐκ τῶν ἐπιφανεστάτων οἴκων ἐπιλεξάμενος ᾤχετο, λελύσθαι τὸν πόλεμον ὑπολαβών.
Übersetzungen
But when they found themselves attacked and perceived that they must attack in turn, then at last the oldest among them, alarmed by the speed of the Romans, came out of their cities with olive branches and surrendered themselves to Servilius, to be treated as he should think fit for their offences. And he, taking from them provisions and clothing for his army and choosing out of the most prominent families three hundred men to serve as hostages, departed, assuming that the war was ended.
 
#4
Quellenangabe
Dionysios VI, 30, 1.
Quellentext
ὡς δὲ τοῖς Ῥωμαίοις τεταπεινωμένα ἦν τὰ τῶν Οὐολούσκων πράγματα, προαγαγὼν τοὺς ὁμήρους αὐτῶν εἰς τὴν ἀγορὰν ὁ ἕτερος τῶν ὑπάτων Ἄππιος Κλαύδιος ἄνδρας τριακοσίους, ἵνα δι᾽ εὐλαβείας ἔχοιεν οἱ προσθέμενοι σφίσι πίστεις ὁμηρειῶν μὴ παρασπονδεῖν, μάστιξί τε ᾐκίσατο πάντων ὁρώντων καὶ τοὺς αὐχένας αὐτῶν ἐκέλευσεν ἀποκόψαι.
Übersetzungen
When the Volscians had been thus humbled by the Romans, the other consul, Appius Claudius, caused their hostages, three hundred men in all, to be brought into the Forum, and to the end that those who had once given the Romans hostages for their fidelity might beware of violating their treaties, he ordered them to be scourged in the sight of all and then beheaded.
Literatur (Auswahl)
Walker, S. 216, Case-Nr. 12;
Ogilvie, Commentary on Livy Book 1-5, S. 272-276.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Konsul Publius Servilius Priscus Structus
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Cora und Pometia
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Volsker
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
Unterwerfung
Ort der Geiselstellung
Pometia
Geltungsbereich
Cora und Pometia
Akte symbolischer Kommunikation
Reichung von Olivenzweigen durch die Volsker; Tötung der Geiseln
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Anzahl der Geiseln
300
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Name, Titel
Kinder der Vornehmen aus Cora und Pometia
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Stand
principes
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Rom
Unterbringung/Verwahrung
Tötung nach Ende des Krieges
Schicksal der Geiseln
Terminus
Terminus 'Übereinkunft'
ἐπιτρέποντες