Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
0862 Geiselstellung an Ludwig den Deutschen durch Tabomuizli, dux Abodrites
Name
0862 Geiselstellung an Ludwig den Deutschen durch Tabomuizli, dux Abodrites
Vorausgegangener Konflikt
Grenzkonflikte zwischen Ostfranken und Abodriten
Datum/Zeitangabe
862
Inhalt/Kommentar
Um seine Hegemonialstellung auf die im Nordosten liegenden slawischen Stammesgebiete aufrecht zu erhalten, unternahm Ludwig der Deutsche bereits 844 eine erste Heerfahrt. Anders als seine Vorgänger unternahm der Karolinger keine Versuche einen Samtherrscher einzusetzen und teilte das Siedlungsgebiet der Abodriten unter mehreren Fürsten auf. Dies führte schließlich zur Bildung der als Wagrier, Kessiner und der ebenfalls als Abrodriten bezeichneten Teilstämme. In Anerkennung der fränkischen Oberhoheit war Tabomuzil 862 gezwungen, Ludwig Geiseln, darunter seinen Sohn, zu stellen.
Arnolf von Kärnten, Enkel Ludwigs des Deutschen, konnten die Abodriten 889 erfolgreich Widerstand leisten, so dass in der Folgezeit keine Geiselstellung überliefert sind.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Annales Fuldenses sive Annales regni Francorum orientalis, hrsg. von Friedrich Kurze (MGH SS rer. Germ. 7). Hannover 1891, S. 56.
Quellentext
Eodem quoque anno rex ducto in Obodritos exercitu ducem eorum Tabomuizlem rebellantem dicto oboedire et filium suum cum aliis obsidibus dare coegit.
Übersetzungen
In demselben Jahre führte der König auch ein Heer gegen die Obodriten und zwang ihren aufständischen Herzog Tabomuizl Gehorsam zu leisten und unter anderen Geiseln seinen Sohn zu stellen.
(Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil: Jahrbücher von Fulda; Reginos Chronik; Notkers Taten Karls. Neu bearb. von Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 7). 4., gegenüber der 3. um einen Nachtrag erw. Aufl. Darmstadt 2002, S. 63)
Quellenart
Annalen
 
#2
Quellenangabe
Annales Bertiniani, MGH, SS rer. Germ. 5, S. 59f.
Quellentext
Hludowicus autem, relicto in patria Karolo filio, quoniam nuper uxorem Ercangarii comitis filiam dixerat, Hludowicum, filium suum, secum ducens, aggreditur Winedos. Unde, quibusdam amissis primoribus et nihil prospere gestis, sub optentu obsidum ad Franconofurth palatium super Moenum fluuium revertitur.
Übersetzungen
Ludwig aber, der seinen Sohn Karl daheimließ, weil er vor kurzem die
Tochter des Grafen Erkanger als Gattin heimgeführt hatte, zog, von seinem
Sohn Ludwig begleitet, gegen die Wenden; nachdem er daselbst einige
seiner Großen verloren und nichts ausgerichtet hatte, kehrte er, als man
ihm Geiseln stellte, nach seiner Pfalz Frankfurt am Main zurück.
(Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Zweiter Teil: Jahrbücher von St. Bertin, Jahrbücher von St. Vaast, Xantener Jahrbücher. Neu bearb. von Reinhold Rau (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 6). 3., um einen Nachtrag erw. Aufl. Darmstadt 2002, S. 115.)
Quellenart
Annalen
 
#3
Quellenangabe
Annales et chronica aevi Salici, MGH, SS 5, S. 105.
Quellentext
Ludovicus rex Abodritos rebellantes petens, obsides dare coegit.
Quellenart
Chronik
Literatur (Auswahl)
Friedmann, Bernhard: Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhunderts (Osteuropastudien des Landes Hessen. Reihe 1: Giessener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 197). Berlin 1986, S. 73.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Ludwig der Deutsche, König des Ostfrankenreichs (* um 806, † 876)
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Franke
Dynastie
Karolinger
 
#2
Name, Titel/Rang
Tabomuizli, dux Abodrites
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Elbslawe
Religiöse Konstellation
Nichtchristen-an-Christen
Art der Übereinkunft
Friedensvertrag
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
keine Angaben
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Name, Titel
Sohn des Tabomuizli
Geschlecht
männlich
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Frankfurt am Main
Schicksal der Geiseln
Terminus