Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0212 Geiselstellung an Rom durch die Städte Tarent und Thurii
Name
-0212 Geiselstellung an Rom durch die Städte Tarent und Thurii
Vorausgegangener Konflikt
2. Punischer Krieg
Datum/Zeitangabe
-212
Inhalt/Kommentar
Der Tarentiner Phileas versuchte die in Rom festgehaltenen Geiseln aus Tarent und Thurii zu befreien, um so den Abfall Tarents zu Hannibal zu ermöglichen. Nachdem ihr Verschwinden bemerkt wurde, fing man sie wieder ein und richtete sie hin.
Welche Art Abkommen Tarent und Thurii zu der Stellung von Geiseln verpflichtete, ist nicht bekannt. Vielleicht bestand nur einfache amicitia und die Geiseln dienten dem Schutz der Besatzungen in den Städten. Diese dürften spätestens nach Hannibals Sieg in der Schlacht an der Trebia 218 v. Chr. installiert worden sein (Polybios 3.75.4; 8.27.4-6). Damit wären die Geiseln seit mindestens 6 Jahren in Rom gewesen.
Lomas datiert die Geschehnisse in das Jahr 215 v. Chr. Da sich in Reaktion auf die Hinrichtung der Geiseln 13 junge Adelige aus Tarent und Thurii verschworen, da sie mit den Geiseln verwandt oder befreundet waren, kann man davon ausgehen, dass auch die Geiseln solche "nobiles iuvenes" waren.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Liv. 25.7.11-8.3.
Quellentext
[11] Phileas Tarentinus diu iam per speciem legationis Romae cum esset, vir inquieti animi et minime otium, quo tum diutino senescere videbatur, patientis, aditum sibi ad obsides Tarentinos et Thurinos invenit. [12] Custodiebantur in atrio Libertatis minore cura, quia nec ipsis nec civitatibus eorum fallere Romanos expediebat. [13] Hos crebris conloquiis sollicitatos corruptis aedituis duobus cum primis tenebris custodia eduxisset, ipse comes occulti itineris factus profugit. [14] Luce prima volgata per urbem fugai est, missique qui sequerentur ab Tarracina comprensos omnis retraxerunt. deducti in comitium virgisque adprobante populo caesi de saxo deiciuntur. [8.1] Huiusi atrocitas poenae duarum nobilissimarum in Italia Graecarum civitatium animos inritavit cum publice tum otiam singulos privatim, [2] ut quisque tam foede interemptos aut propinquitate aut amicitia contingebat. [3] Ex iis tredecim fere nobiles iuvenes Tarentini coniuraverunt, quorum principes Nico et Philemenus erant.
Übersetzungen
Phileas aus Tarent hielt sich schon lange unter unter dem Deckmantel einer Gesandtschaft in Rom auf: ein geistig unruhiger Mann, der die Untätigkeit, durch deren lange Dauer er schwach zu werden glaubte, gar nicht ertragen konnte. Er wusste sich Zugang zu den Geiseln aus Thurii und Tarent zu verschaffen. Diese Geiseln hielt man ziemlich sorglos im Vorhof der Freiheitsgöttin, weil weder ihnen noch ihren Staaten gut tat, die Römer zu betrügen. Phileas verstand es, sie in wiederholten Unterredungen zu verführen. Als er zwei Tempelwächter bestochen hatte, führte er sie bei Einbruch der Dunkelheit aus ihrem Gefängnis; er selbst wurde ihr Begleiter auf diesem heimlichen Weg und machte sich dann davon. Bei Tagesanbruch wurde ihre Flucht in der Stadt bekant: man schickte ihnen sofort Leute zur Verfolgung nach, die sie bei Tarracina verhafteten und alle zurückbrachten. Sie wurden auf den Versammlungsplatz geführt, mit Zustimmung des Volkes ausgepeitscht und dann vom Felsen gestürzt.
Die Härte dieser Strafe erbitterte zwei der vornehmsten griechischen Städte in Italien allgemein und auch in persönlicher Hinsicht, je nachdem ein jeder mit den so grausam Hingerichteten verwandt oder befreundet war. Von diesen verschworen sich etwa dreizehn junge Adelige aus Tarent, deren Anführer Nico und Philemenus waren.
 
#2
Quellenangabe
Liv. 25.17.7.
Quellentext
[7] Hoc idem, edem ora maris et Thurini fecerunt. movit eos non Tarentinorum magis defectio Metapontinorumque, quibus indidem ex Achaia oriundi etiam cognatione iuncti erant, quam ira in Romanos propter obsides nuper interfectos.
Übersetzungen
Das gleiche taten an demselben Küstenstrich auch die Thurier. Sie beeindruckte nicht so sehr der Abfall der Tarentiner und der Bewohner von Metapontum, die wie sie auch aus Achaia stammten und mit ihnen verwandt waren, als vielmehr der Zorn auf die Römer wegen der kürzlich hingerichteten Geiseln.
Literatur (Auswahl)
Walker, Hostages, 110f., 169, Case-Nr. 104.
Lomas, Rome and the Western Greeks, 70.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Rom
Rolle
Vertragspartner
 
#2
Name, Titel/Rang
Phileas
Rolle
(Keine Auswahl)
Zugehörigkeit
Tarent
 
#3
Rolle
(Keine Auswahl)
 
#4
Name, Titel/Rang
Tarent
Rolle
Vertragspartner
 
#5
Name, Titel/Rang
Thurii
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
(Keine Auswahl)
Geltungsbereich
Thurii
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
keine Angaben
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
männlich
Stand
nobiles iuvenes (?)
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Rom / Atrium Libertatis
Unterbringung/Verwahrung
geringe Bewachung im Atrium Libertatis
Schicksal der Geiseln
Terminus