Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
1218 Geiselstellung an Albert von Livland durch die Jerwer
Name
1218 Geiselstellung an Albert von Livland durch die Jerwer
Vorausgegangener Konflikt
Missionierungsbemühungen Bischof Alberts in Livland und Kurland
Datum/Zeitangabe
1218
Inhalt/Kommentar
Nachdem Albert von Buxhöden 1199 zum Bischof von Livland erhoben worden war, ging er daran den Herrschaftsbereich seines Bistums zu vergrößern. Nach der Einholung einer Kreuzzugsbulle bei Innozenz III. suchte er für sein Vorhaben die Unterstützung des Königs von Dänemark sowie verschiedener Großen des Reiches, etwa auf dem Magdeburger Hoftag an Weihnachten 1199. Durch Kreuzzüge, Missionierung und Siedlungspolitik weitete der Bischof sein Herrschaftsgebiet entlang der Düna-Mündung aus, gründete 1201 Riga und geriet dabei immer wieder in Konflikte mit den ansässigen Stämmen wie Rotaliern, Sakkalern oder Jerwern.
Seit 1202 durch den Orden der Schwertbrüder unterstützt, dehnte er seine Herrschaft auf weite Teile Est- und Kurlands aus. Im Zuge verschiedener Kriegszüge, die mit der Brandschatzung gegnerischer Ländereien einhergingen, zwang der Bischof die Unterlegenen zumeist zu Tributzahlungen, Annahme der Taufe sowie der Stellung von Geiseln.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Heinrichs Livländische Chronik, bearb. von Leonid Arbusow und Albert Bauer (MGH
rer. Germ. 31). 2. Aufl. Hannover 1955, c. XXI,6, S. 145-146.
Quellentext
Post secundam reversionem Sackalanensium ad fidem christianam venerunt quoque Gerwanenses eciam iam secundo et tradiderunt se Rigensi ecclesie coram comite Alberto et universis senioribus Rigensium, ponentes obsides pueros suos, ut et ipsi baptismi mysterium acciperent et ecclesie Lyvonensi censum ministrarent perpetuum vel annone mensuram pro decima institutam. Et reversi sunt ipsi in terram suam, de
pacis tranquilitate gaudentes.
Übersetzungen
Nachdem die Sakkaler zum zweiten Mal zum Christenglauben zurückgekehrt waren, kamen auch die Jerwer - auch sie schon zum zweiten Male - und ergaben sich der rigischen Kirche in Gegenwart des Grafen Albert und aller Ältesten der Rigischen und gaben ihre Söhne als Geiseln dafür, dass auch sie das Mysterium der Taufe annehmen und der livländischen Kirche einen ewigen Zins oder das statt des Zehnten eingeführte Getreidemaß entrichten wollten. Und sie kehrten in ihr Land zurück und freuten sich der Ruhe des Friedens. (Heinrich von Lettland: Livländische Chronik, neu übersetzt von Albert Bauer (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 24). Darmstadt 1959, S. 217.)
Quellenart
Chronik
Literatur (Auswahl)
Heinrich von Lettland: Livländische Chronik, neu übersetzt von Albert Bauer (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 24). Darmstadt 1959.
Manfred Hellmann: Albert I., Bischof von Riga, in: LexMA 1 (1980), Sp. 285–286.
Torben K. Nielsen: The Missionary Man. Archbishop Anders Sunesen and the Baltic Crusade, 1206-21, in: Crusade and Conversion on the Baltic Frontier. 1150-1500, ed. by Alan V. Murray. Ashgate 2001, p. 95-117.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Albert von Buxthövden (1165-1227), Bischof von Riga
Rolle
Vertragspartner
Dynastie
Ministerialenfamilie de Bekeshovede (Buxhövden)
 
#2
Name, Titel/Rang
Jerwer
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
Nichtchristen-an-Christen
Art der Übereinkunft
Unterwerfung
Ort der Geiselstellung
Wiek (heute Kreis Lääne, Estland)
Geltungsbereich
Gebiet um die Mündnung der Dina
Akte symbolischer Kommunikation
Taufe
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
männlich
Stand
Söhne hochgestellter Persönlichkeiten
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Riga
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
pacis tranquilitate