Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0298 Geiselstellung an Rom durch die Lukaner
Name
-0298 Geiselstellung an Rom durch die Lukaner
Vorausgegangener Konflikt
Dritter Samnitenkrieg
Datum/Zeitangabe
-0298
Inhalt/Kommentar
Die Inschrift auf dem Sarkophag des Scipio Barbatus berichtet, dass er in seinem Konsulat Lukanien und in Samnium die Orte Cisauna und Taurasia unterworfen und Geiseln weggeführt hat. Laut Livius erhielt Scipio jedoch Etrurien und sein Kollege Fulvius die Samniten als Aufgabe, nachdem die Lukaner sich hilfesuchend an den Senat gewandt hatten und Geiseln angeboten hatten. Die jüngere Annalistik dürfte hier die Konsuln vertauscht haben, da in den älteren Vorlagen nur von den Operationen "der beiden Konsuln" die Rede war. Dionysios springt nach der Gesandtschaft der Lukaner direkt zu den Konsuln des Jahres 294 v.Chr.

Bei Dionysios wird das getroffene Abkommen zwischen Rom und den Lukanern durchweg als Vertrag dargestellt (philia, homologia, symmachia), während bei Livius 10,11,13 zunächst eine Deditio (in fidem accipiant) angeboten wird und erst im nächsten Absatz von foedus und societas die Rede ist.

Die Inschrift dürfte den Text des 'titulus' unter der Totenmaske des Barbatus im Atrium der Scipionen wiedergeben.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
CIL VI 1284.1285 = AE 1991, 00071
Quellentext
[L. Corneli]o(s) Cn. f. Scipio
[[[-----------]]]
[[---]] Cornelius Lucius Scipio Barbatus, Gnaiuod patre
prognatus, fortis uir sapiensque, ° quoius forma uirtutei parisuma
fuit, ° consol censor aidilis quei fuit apud uos, ° Taurasia Cisauna
Samnio cepit ° subigit omne Loucana opsidesque abdoucit.
Edition nach Kruschwitz 2002, S. 36.
Übersetzungen
Lucius Cornelius Scipio, Sohn des Gnaeus
Lucius Cornelius Scipio Barbatus, Nachkomme des Vaters Gnaius, ein tapferer und kluger Mann, dessen Gestalt seiner Tüchtigkeit ganz gleich kam, der Consul, Censor, Aedil bei euch gewesen ist. Taurasia, Cisauna, Samnium hat er genommen; er hat ganz Lucanien unterworfen und Geiseln weggeführt.
Übersetzung Kolb/Fugmann 2008, S. 44f.
Quellenart
Inschrift
 
#2
Quellenangabe
Liv. 10.11.13-12.3
Quellentext
[10.11.13] Orare patres, ut et Lucanos in fidem accipiant et vim atque iniuriam ab se Samnitium arceant: se, quamquam bello cum Samnitibus suscepto necessaria iam facta adversus Romanos fides sit, tamen obsides dare paratos esse.
Übersetzungen
[13] Sie bäten die Senatoren, ihrerseits die Lukaner in Schutz zu nehmen und Gewalt und Unrecht der Samniten von ihnen fernzuhalten. Wenn dadurch, dass sie den Krieg mit den Samniten auf sich genommen hätten, schon zwangsläufig ein Treueverhältnis zu den Römern entstanden sei, so seien sie doch bereit, Geiseln zu stellen
 
#3
Quellenangabe
Dion. Hal. 17.1-3.
Quellentext
[2] κατ᾽ ἀρχὰς μὲν οὖν ταῖς ἑαυτῶν δυνάμεσι πιστεύοντες οἱ Λευκανοὶ τόν τε πόλεμον διέφερον: ἐν ἁπάσαις δὲ μειονεκτοῦντες ταῖς μάχαις καὶ πολλὰ μὲν ἀπολωλεκότες ἤδη χωρία, κινδυνεύοντες δὲ καὶ περὶ τῆς ἄλλης γῆς ἁπάσης, ἐπὶ τὴν Ῥωμαίων βοήθειαν ἠναγκάσθησαν καταφυγεῖν, συνειδότες μὲν ἑαυτοῖς ἐψευσμένοις ἃς πρότερον ἐποιήσαντο πρὸς αὐτοὺς ὁμολογίας, ἐν αἷς φιλίαν συνέθεντο καὶ συμμαχίαν, οὐκ ἀπογνόντες δὲ συμπείσειν αὐτούς, ἐὰν ἐξ ἁπάσης τῆς πόλεως τοὺς ἐπιφανεστάτους παῖδας ὁμήρους ἅμα τοῖς πρεσβευταῖς ἀποστείλωσιν: ὅπερ καὶ [3] συνέβη. ἀφικομένων γὰρ τῶν πρέσβεων καὶ πολλὰ δεομένων ἥ τε βουλὴ δέχεσθαι τὰ ὅμηρα ἔγνω καὶ τὴν φιλίαν πρὸς τοὺς Λευκανοὺς συνάψαι, καὶ ὁ [...].
Übersetzungen
[1] (16.11) The Samnite war was once more kindled into flame, beginning from some such cause as the following. After the treaty which the Samnites had made with Rome, they waited a short time and then made an expedition against the Lucanians, who were their neighbours, being moved thereto by some long-standing feud. [2] At first the Lucanians carried on the war relying on their own forces; but getting the worst of it in all the engagements, and having lost many districts already and being in danger of losing all the rest of their land, they were forced to have recourse to the Romans' assistance. They were conscious, to be sure, of having broken the compact they had made with the Romans earlier, in which they had pledged friendship and alliance, but did not despair of persuading them if they should send to them along with their ambassadors the most prominent boys from every city as hostages. [3] (12) For when the ambassadors arrived and made many entreaties, the senate voted to accept the hostages and to join friendship with the Lucanians; and the popular assembly ratified their vote.
Literatur (Auswahl)
Walker, Hostages, Case-Nr. 70.
Meyer, Römische Annalistik im Lichte der Urkunden, in: ANRW 1,2; 970-986.
Kolb, Anne / Fugmann, Joachim; Tod in Rom: Grabinschriften als Spiegel römischen Lebens, Darmstadt 2008.
Kruschwitz, Peter; Carmina Saturnia Epigraphica. Einleitung, Text und Kommentar zu den Saturnischen Versinschriften, Stuttgart 2002.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Rom
Rolle
Vertragspartner
 
#2
Name, Titel/Rang
Lukaner
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
Unterwerfung
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Name, Titel
die angesehensten Jungen aus jeder Stadt
Geschlecht
männlich
Stand
adelig
Antritt der Vergeiselung
ja
Schicksal der Geiseln
Terminus
Terminus 'Übereinkunft'
ὁμολογίας / συμμαχίαν / in fidem accipere