Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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-0321 Geiselstellung an die Samniten durch die Konsuln T. Veturius Calvinus und Sp. Postumius Albinus
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-0321 Geiselstellung an die Samniten durch die Konsuln T. Veturius Calvinus und Sp. Postumius Albinus
Vorausgegangener Konflikt
Zweiter Samnitenkrieg
Datum/Zeitangabe
-321
Inhalt/Kommentar
Das Römische Heer war von den Samniten in einer Schlucht eingeschlossen worden und musste die Samnitischen Friedensbedingungen akzeptieren. Schon in der Antike war strittig, ob es sich bei dem geschlossenen Abkommen um eine sponsio oder ein foedus handelte. Jedenfalls wurden 600 Ritter als Geiseln zurückgehalten und die Konsuln und hohen Offiziere dienten als Bürgen. Die Römer wollten sich ihrer eidlichen Verpflichtungen durch Auslieferung der Bürgen entledigen, was von den Samniten abgelehnt wurde. Hierauf hätte Rom den Krieg erneut aufgenommen und in diesem Zuge die Geiseln befreit. In der Forschung wird mittlerweile angenommen, dass der Friede gehalten wurde und erst einige Jahre später wieder Krieg mit den Samniten begonnen wurde.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Liv. 9.4.3-5.14.
Quellentext
[9.4.3] Tum Pontius debellatum esse respondit et, quoniam ne victi quidem ac capti fortunam fateri scirent, inermes cum singulis vestimentis sub iugum missurum; alias condiciones pacis aequas victis ac victoribus fore: [4] si agro Samnitium decederetur, coloniae abducerentur, suis inde legibus Romanum ac Samnitem aequo foedere victurum; [5] his condicionibus paratum se esse foedus cum consulibus ferire; si quid eorum displiceat, legatos redire ad se vetuit. haec cum legatio renuntiaretur. [6] Tantus gemitus omnium subito exortus est tantaque maestitia incessit ut non gravius accepturi viderentur, si nuntiaretur omnibus eo loco mortem oppetendam esse. [7] cum diu silentium fuisset nec consules aut pro foedere tam turpi aut contra foedus tam necessarium hiscere possent, tum L. Lentulus, qui princeps legatorum virtute atque honoribus erat: ' [8] patrem meum' inquit, 'consules, saepe audivi memorantem se in Capitolio unum non fuisse auctorem senatui redimendae auro a Gallis civitatis, quando nec fossa valloque ab ignavissimo ad opera ac muniendum hoste clausi essent et erumpere si non sine magno periculo, tamen sine certa pernicie possent. [9] Quod si, ut illis decurrere ex Capitolio armatis in hostem licuit, quo saepe modo obsessi in obsidentes eruperunt, ita nobis aequo aut iniquo loco dimicandi tantummodo cum hoste copia esset, non mihi paterni animi indoles in consilio dando deesset. [10] Equidem mortem pro patria praeclaram esse fateor et me vel devovere pro populo Romano legionibusque vel in medios me inmittere hostes paratus sum; [11] sed hic patriam video, hic quidquid Romanarum legionum est, quae, nisi pro se ipsis ad mortem ruere volunt, quid habent, quod morte sua servent? ' [12] tecta urbis' dicat aliquis 'et moenia et eam turbam, a qua urbs incolitur'. immo hercule produntur ea omnia deleto hoc exercitu, non servantur. [13] Quis enim ea tuebitur? inbellis [p. 506] videlicet atque inermis multitudo. tam hercule, quam a Gallorum impetu defendit. [14] An a Veis exercitum Camillumque ducem inplorabunt? hic omnes spes opesque sunt, quas servando patriam servamus, dedendo ad necem patriam deserimus ac prodimus. ' ' ' [15] At foeda atque ignominiosa deditio est'. sed ea caritas patriae est, ut tam ignominia eam quam morte nostra, si opus sit, servemus. [16] Subeatur ergo ista, quantacumque est, indignitas et pareatur necessitati, quam ne di quidem superant. ite, consules, redimite armis civitatem, quam auro maiores vestri redemerunt'. [5.1.] Consules profecti ad Pontium in conloquium, cum de foedere victor agitaret, negarunt iniussu populi foedus fieri posse nec sine fetialibus caerimoniaque alia sollemni. [2] Itaque non, ut vulgo credunt Claudiusque etiam scribit, foedere pax Caudina, sed per sponsionem facta est. [3] Quid enim aut sponsoribus in foedere opus esset aut obsidibus, ubi precatione res transigitur, per quem populum fiat, quo minus legibus dictis stetur, ut eum ita Iuppiter feriat, quem ad rodurn a fetialibus porcus feriatur? [4] spoponderunt consules, legati, quaestores, tribuni militum, nominaque omniur, qui spoponderunt, extant, ubi, si ex foedere acta res esset, praeterquam duorum fetialium non extarent; [5] et propter necessariam foederis dilationem obsides etiam sescenti equites imperati, qui capite luerent, si pacto non staretur. [6] Tempus inde statutum tradendis obsidibus exercituque inermi mittendo. Redintegravit luctum in castris consulum adventus, ut vix ab iis abstinerent ranus, quorum temeritate in eum locum deducti essent, quorum ignavia foedius inde, quam venissent, abituri: [7] illis non ducem locorum, non exploratorem fuisse; beluarum modo caecos in foveam lapsos. [8] alii alios intueri, contemplari arma mox tradenda et inermes futuras dextras obnoxiaque corpora hosti; proponere sibimet ipsi ante oculos iugum hostile et ludibria victoris et vultus superbos [p. 507] et per armatos inermium iter, [9] inde foedi agminis miserabilem viam per sociorum urbes, reditum in patriam ad parentes, quo saepe ipsi maioresque eorum triumphantes venissent: [10] Se solos sine vulnere, sine ferro, sine acie victos; sibi non stringere licuisse gladios, non manum cum hoste conferre; sibi nequiquam animos datos. haec frementibus hora fatalis ignominiae advenit, [11] omnia tristiora experiundo factura, quam quae praeceperant animis. [12] Iam primum cum singulis vestimentis inermes extra vallum exire iussi, et primi traditi obsides atque in custodiam abducti. [13] Tum a consulibus abire lictores iussi paludamentaque detracta: [14] Id tantam inter ipsos, qui paulo ante eos exsecrantes dedendos lacerandosque censuerant, miserationem fecit, ut suae quisque condicionis oblitus ab illa deformatione tantae maiestatis velut ab nefando spectaculo averteret oculos.
Übersetzungen
[9.4.3-9.4.16] Darauf gab Pontius zur Antwort, der Krieg sei entschieden, und da sie nicht einmal als besiegte und Gefangene ihre Lage einzugestehen wüssten, werde er sie ohne Waffen, jeden mit nur einem Kleidungsstück auf dem Leib unter das Joch schicken. Im übrigen würden die Friedensbedingungen für die Besiegten und die Sieger fair sein: Wenn sie aus dem Gebiet der Samniten abzögen und die Kolonien auflösten, würden Römer und Samniten fortan aufgrund eines fairen Vertrages nach ihren eigenen Gesetzen leben. Unter diesen Bedingungen sei er bereit, mit den Konsuln einen Vertrag zu schließen. Doch wenn ihnen etwas daran missfalle, sollten ihre Gesandten nicht zu ihm zurückkehren. [9.4.5] Als dieses Ergebnis der Verhandlungen mitgeteilt wurde, brachen alle plötzlich in ein Wehklagen aus, und es trat solche Traurigkeit ein, dass es schien, als würde es sie nicht schwerer treffen, wenn ihnen mitgeteilt würde, sie müssten alle an diesem Platz den Tod erleiden. [9.4.6] Nachdem lange Schweigen geherrscht hatte und die Konsuln weder für noch gegen den Vertrag, der so schimpflich, aber auch so unvermeidlich war, etwas vorbringen konnten, sagte L. Lentulus, der aufgrund seiner Leistungen und seiner Ämter der erste unter den Legaten war: "Ihr Konsuln, ich habe meinen Vater oft sagen hören, dass er auf dem Kapitol als einziger den Senat nicht dazu gebracht habe, die Bürgerschaft mit Gold von den Galliern loszukaufen; denn sie seien von dem bei Belagerungslagern und beim Schanzen äußerst trägen Feind nicht mit Wall und Graben eingeschlossen worden und hätten, wenn auch nicht ohne große Gefahr, so doch ohne den sicheren Untergang vor Augen ausbrechen können. Für jene war es möglich, sich mit ihren Waffen vom Kapitol hinab auf den Feind zu stürzen, wie oftmals Belagerte gegen ihrer Belagerer ausgebrochen sind. Wenn auch wir die Möglichkeit hätten, auf günstigem oder ungünstigem Gelände wenigstens mit dem Feind zu kämpfen, würde auch ich durch meinen Ratschlag zeigen, dass der Geist meines Vaters in mir wohnt. Ich gebe zu, dass der Tod für das Vaterland etwas Herrliches ist, und ich bin bereit, mich entweder für das römische Volk und seine Legionen dem Opfertod zu weihen oder mich mitten unter die Feinde zu stürzen. Aber ich sehe das Vaterland hier, hier auch alles, was es an römischen Legionen gibt; wenn diese sich nicht um ihrer selbst willen in den Tod stürzen wollen, was haben sie denn, das sie mit ihrem Tod retten? 'Die Häuser der Stadt', mag einer sagen, 'und die Mauern und die Menschenmenge, die in der Stadt wohnt.' Nein beim Herkules, das alles wird preisgegeben, wenn dieses Heer zugrunde geht, nicht gerettet. Denn wer wird dann noch dafür eintreten? Sicherlich die an dem Krieg nicht gewohnte unbewaffnete Menge. Aber so, beim Herkules, wie sie den Angriff der Gallier abgewehrt hat. Oder wird man von Veji ein Heer und einen Camillus als Führer erbitten? Hier bei uns sind all unsere Hoffnungen, all unsere Machtmittel; wenn wir diese retten, retten wir das Vaterland; wenn wir sie dem Tod ausliefern, lassen wir das Vaterland im Stich und geben es preis. 'Aber eine Kapitulation ist schimpflich und ehrenrührig.' Doch Liebe zum Vaterland heißt, es ebenso durch unsere Schande wie, wenn es sein muss, durch unseren Tod zu retten. Wir wollen also diese Schmach, wie groß sie auch sein mag, auf uns nehmen und der Not gehorchen, über die nicht einmal die Götter Herr sind. Geht, ihr Konsuln, und kauft die Bürgerschaft, die eure Vorfahren mit Gold losgekauft haben, mit Waffen los."
[9.5.1- 9.5.14] Die Konsuln begaben sich zu einer Unterredung zu Pontius. Als der Sieger von einem Vertrag sprach, erklärten sie, ohne eine Ermächtigung des Volkes, ohne die Fetialen und die feierlichen Zeremonien dazu könne ein Vertrag nicht geschlossen werden. Daher ist der Friede von Caudium nicht, wie man allgemein annimmt und wie auch Claudius schreibt, durch einen Vertrag zustande gekommen, sondern durch eine Bürgschaft. Denn wozu wären bei einem Vertrag Bürgen und Geiseln nötig, wo die Sache durch die Verwünschungsformel zum Abschluss gebracht wird, das Volk, das sich an die genannten Bedingungen nicht halte, solle Jupiter so treffen, wie das Schwein von den Fetialen getroffen werde? Es bürgten die Konsuln, die Legaten, die Quästoren und die Militärtribunen, und die Namen aller, die bürgten, liegen vor; wäre die Sache dagegen durch einen Vertrag geregelt worden, lägen sie abgesehen von den beiden Fetialen nicht vor. Und wegen der notwendigen Verschiebung des Vertrags wurden auch noch 600 Ritter als Geiseln gefordert, die mit ihrem Leben büßen sollten, wenn man sich nicht an die Abmachung hielt. Dann wurde der Zeitpunkt für die Übergabe der Geiseln und die Entlassung des entwaffneten Heeres festgesetzt.
Die Rückkehr der Konsuln erneuerte die Trauer im Lager, so dass man sich fast an ihnen vergriffen hätte, da man durch ihre Leichtfertigkeit an diese Stelle geführt worden war und infolge ihrer Unentschiedenheit noch schimpflicher von dort weggehen werde, als man gekommen sei. Sie hätten keinen Wegführer, keinen Kundschafter gehabt; wie wilde Tiere seien sie blindlings in die Falle gestürzt. Einer blickte den anderen an, sie schauten auf ihre Waffen, die sie bald abgeben mussten, auf ihre Hände, die ohne Waffen sein würden, und auf ihre dem Feind ausgelieferten Körper. Sie stellten sich das feindliche Joch vor, den Hohn des Siegers, seine hochmütigen Mienen und ihren Zug als Waffenlose durch die Bewaffneten hindurch, sodann den kläglichen Weg des entehrten Heers durch die Städte der Verbündeten, die Rückkehr in die Vaterstadt zu den Eltern, wohin diese selbst und ihre Vorfahren oft im Triumph gekommen seien. Sie allein seien ohne eine Wunde, ohne einen Schwertstreich, ohne eine Schlacht besiegt worden. Sie hätten das Schwert nicht zücken, mit dem feind nicht aneinandergeraten dürfen; ihr Mut sei umsonst gewesen. Während sie so murrten, kam die vom Schicksal bestimmte Stunde ihrer Schmach heran., die alles, sobald es ihnen tatsächlich widerfuhr, noch trauriger machen sollte, als sie es sich vorgestellt hatten. Zunächst erhielten sie da den Befehl, mit einem einzigen Kleidungsstück auf dem Leib ohne Waffen aus dem Wall herauszutreten, und die ersten Geiseln wurden übergeben und abgeführt. Dann befahlen die Konsuln den Liktoren wegzutreten, und sie legten ihre Feldherrnmäntel ab. Das weckte unter denen, die sie kurz zuvor noch verwünscht hatten und dafür gewesen waren, sie auszuliefern und in Stücke zu reißen, Mitgefühl, so dass jeder seine eigene Lage vergaß und von dieser Demütigung eines so hohen Amtes wie von einem frevelhaften Schauspiel die Augen abwandte.
 
#2
Quellenangabe
Liv. 9.12.9.
Quellentext
[9] consules inter se partiti provincias, Papirius in Apuliam ad Luceriam pergit, ubi equites Romani obsides ad Caudium dati custodiebantur, Publilius in Samnio substitit adversus Caudinas legiones.
Übersetzungen
Nachdem die Konsuln die Aufgabenbereiche unter sich aufgeteilt hatten, zog Papirius nach Apulien vor Luceria, wo die römischen Ritter gefangen gehalten wurden, die man bei Caudium als Geiseln gestellt hatte.
 
#3
Quellenangabe
Liv. 9.14.14-16.
Quellentext
[14] quin duces sicut belli ita insatiabilis supplicii futuros fuisse, ni respectus equitum sescentorum qui Luceriae obsides tenerentur praepedisset5 animos, [15] ne desperata venia hostes caecos in supplicia eorum ageret, perdere prius quam perire optantes. [16] laudare ea milites laetarique obviam itum irae suae esse ac fateri omnia patienda potius quam proderetur salus tot principum Romanae iuventutis.
Übersetzungen
Und es wäre kein lebendes Wesen übrig geblieben, wenn die Konsuln nicht das Signal zum Rückzug gegeben und die mordgierigen Soldaten durch ihren Befehl und durch Drohungen aus dem Lager der Feinde herausgetrieben hätten. Vor den Soldaten, die aufgebracht waren, weil man ihnen beim Auskosten ihrer Rache Einhalt geboten hatte, wurde daher sogleich eine Rede gehalten, die ihnen erklären sollte, dass die Konsuln keineswegs irgendeinem Soldaten an Hass auf den Feind nachgestanden hätten oder nachstünden; vielmehr wären sie, wie sie ihre Führer im Krieg seien, so auch ihre Führer zu einem unersättlichen Strafgericht gewesen, wenn nicht die Rücksicht auf 600 Ritter, die als Geiseln in Luceria gehalten würden, sie daran gehindert hätte; das Verzweifeln an jeder Gnade sollte die Feinde nicht blindwütig zu deren Ermordung treiben, zu dem Wunsch, vor ihrem eigenen Untergang erst noch sie umzubringen. Die Soldaten hießen das gut, freuten sich, dass man ihrer Wut entgegengetreten war, und erklärten, man müsse eher alles dulden, als dass das Wohl so vieler angesehener junger Römer gefährdet werde.
 
#4
Quellenangabe
Liv. 9.15.3-8.
Quellentext
[3] Papirio quoque, qui obsessor Luceriae restiterat, brevi ad spem eventus respondit. nam insessis omnibus viis per quas commeatus ex Samnio subvehebantur, fame domiti Samnites qui Luceriae in praesidio erant legatos misere ad consulem Romanum, ut receptis equitibus qui causa belli essent absisteret obsidione. [4] iis Papirius ita respondit: debuisse eos Pontium Herenni filium, quo auctore Romanos sub iugum misissent, consulere quid victis patiendum censeret; [5] ceterum quoniam ab hostibus in se aequa statui quam in se ipsi ferre maluerint, nuntiare Luceriam iussit, arma sarcinas iumenta multitudinem omnem imbellem intra moenia relinquerent; [6] militem se cum singulis vestimentis sub iugum missurum, ulciscentem inlatam, non novam inferentem ignominiam. [7] nihil recusatum. septem milia militum sub iugum missa, praedaque ingens Luceriae capta receptis omnibus signis armisque quae ad Caudium amissa erant, et quod omnia superabat gaudia, equitibus reciperatis quos pignora pacis custodiendos Luceriam Samnites dederant. [8] haud ferme alia mutatione subita rerum clarior victoria populi Romani est, si quidem etiam, quod quibusdam in annalibus invenio, Pontius Herenni filius, Samnitium imperator, ut expiaret consulum ignominiam, sub iugum cum ceteris est missus.
Übersetzungen
Der Konsul Publilius brach auf, um Apulien zu durchziehen, und unterwarf in einem einzigen Feldzug eine reihe Völker mit Gewalt oder machte sie durch Verträge zu Bundesgenossen. Auch bei Papirius, der als Belagerer vor Luceria geblieben war, entsprach der Erfolg bald der Erwartung. Denn da alle Straßen besetzt waren, auf denen die Zufuhr aus Samnium herangeschafft wurde, schickten die Samniten, die als Besatzung in Luceria waren, vom Hunger bezwungen. Gesandte zum römischen Konsul, er solle die Ritter, die der Anlass zum Krieg seien, zurückerhalten und dafür die Belagerung aufheben. Ihnen antwortete Papirius folgendermaßen: Sie hätten Pontius, den Sohn des Herennius, auf dessen Betreiben sie die Römer unters Joch geschickt hätten, fragen sollen, was Besiegte seiner Meinung nach zu erleiden hätten. Aber da es ihnen lieber sei, dass ihre Freunde eine angemessene Strafe für sie festsetzten, als dass sie selber eine solche gegen sich vorschlügen, ließ er nach Luceria melden, sie sollen Waffen, Gepäck, Zugtiere und die ganze waffenlose Menge in den Mauern zurücklassen; die Soldaten werde er mit einem einzigen Kleidungsstück auf dem Leib unter das Joch schicken und so die zugefügte Schmach rächen, nicht eine neue zufügen. Es wurde kein Einwand erhoben. 7000 Soldaten wurden unter das Joch geschickt und in Luceria riesige Beute gemacht; man erhielt alle Feldzeichen und Waffen, die bei Caudium verloren gegangen waren, zurück und bekam, was alle Freude überstieg, die Ritter zurück, die die Samniten als Unterpfand des Friedens in Luceria hatten bewachen lassen. Wohl kaum ein anderer Sieg des römischen Volkes ist berühmter durch die plötzliche Änderung der Lage, jedenfalls wenn, was ich in einigen Geschichtswerken finde, auch Pontius, der Sohn des Herennius, der Feldherr der Samniten, um die Schmach der Konsuln zu sühnen, mit den übrigen unter das Joch geschickt wurde.
 
#5
Quellenangabe
Gellius 2.19.8.
Quellentext
[8] Item Quadrigarius in eodem libro in re tristi et inopinata verbo isto ita utitur: “Id ubi rescierunt propinqui obsidum, quos Pontio traditos supra demonstravimus, eorum parentes cum propinquis capillo passo in viam provolarunt.”
Übersetzungen
And again in the same book Quadrigarius uses that word of something sad and unexpected: “When this became known to the relatives (rescierunt provinqui) of the hostages, who, as I have pointed out above, had been delivered to Pontius, their parents and relatives rushed into the street with hair in disarray.”
 
#6
Quellenangabe
Gellius 17.2.21.
Quellentext
[21] “Cum tantus,” inquit, “arrabo penes Samnites populi Romani esset.” “Arrabonem” dixit sescentos obsides et id maluit quam pignus dicere, quoniam vis huius vocabuli in ea sententia gravior acriorque est; sed nunc “arrabo” in sordidis verbis haberi coeptus ac multo videtur sordidius “arra,” quamquam “arra” quoque veteres saepe dixerint et conpluriens Laberius.
Übersetzungen
“Since the Roman people,” says Quadrigarius, “had given such a pledge (arrabo) to the Samites.” He applied the term arrabo to the six hundred hostages and preferred to use that word rather than pignus, since the force of arrabo in that connection is weightier and more pointed; but nowadays arrabo is beginning to be numbered among vulgar words, and arra seems even more so, although the early writers often used arra, and Laberius has it several times.
 
#7
Quellenangabe
Gellius 17.21.35-36.
Quellentext
[35-36] Neque haut longe post Aristoteles philosophus et post aliquanto Demosthenes vita functi sunt isdemque ferme tempestatibus populus Romanus gravi ac diutino Samnitum bello conflictatus est consulesque Tiberius Veturius et Spurius Postumius, in locis iniquis apud Caudium a Samnitibus circumvallati ac subiugi missi, turpi foedere facto discesserunt, ob eamque causam, populi iussu Samnitibusper fetiales dediti, recepti non sunt.
Übersetzungen
Not long after this the philosopher Aristotle ended his life, and a little later, Demosthenes; at about that same time the Roman people engaged in a dangerous and protacted war with the Samnites and the consuls Tiberius Veturius and Spurius Postumius were surrounded by the Samnits in an perilous position near Caudium and being sent under the yoke were allowed to depart only when they had made a shameful treaty; and when for that reason the consuls by vote of the people weresurrendered to the Samnites through the fatial priests, they were not accepted.
 
#8
Quellenangabe
Oros. 3.15.5-6.
Quellentext
[5] itaque Samnites uictoria potiti uniuersum exercitum Romanum turpiter captum armis etiam uestimentisque nudatum, tantum singulis uilioribus operimentis ob uerecunda corporum tegenda concessis, sub iugum missum seruitioque subiectum, longum agere pompae ordinem praeceperunt. [6] sescentis autem equitibus Romanis in obsidatum receptis oneratos ignominia, ceteris rebus uacuos consules remiserunt.
Übersetzungen
Daher befahlen die siegreichen Samniten dem gesamten römischen Heer, das schändlich gefangen, der Waffen und auch der Kleidung entblößt - nur einzelnen zu Schwachen wurden Decken zugestanden, um die Schamteile zu bedecken - unter das Joch geschickt und der Knechtschaft unterworfen war, einen langen feierlichen Umzug auszuführen. (6) Nachdem sie aber 600 römische Ritter zur Geiselhaft empfangen hatten, schickten sie die mit Schande beladenen, von dem sonstigen Habtum befreiten Konsuln zurück.
 
#9
Quellenangabe
Cass. Dio. 8.19.
Quellentext
“ [19] ὅτι οἱ Σαυνῖται ὁρῶντες μήτε τὰς συνθήκας σφίσι τηρουμένας μήτε ἄλλην χάριν ἀντιδιδομένην, ἀλλ᾽ ὀλίγους ἀντὶ πολλῶν ἐς παραγωγὴν τῶν ὅρκων ἐκδιδομένους, δεινῶς ἠγανάκτησαν, ἐπεθείαζόν τέ τινα τοὺς θεοὺς ἐπιβοώμενοι καὶ τὰς πίστεις αὐτῶν προφερόμενοι, καὶ ἀπῄτουν τοὺς ἁλόντας, ἐκέλευόν τε αὐτοὺς ὑπὸ τὸν αὐτὸν ζυγὸν γυμνοὺς ἐσελθεῖν οὗπερ ἐλεηθέντες ἀφείθησαν, ἵνα καὶ τῷ ἔργῳ μάθωσι τοῖς ἅπαξ ὁμολογηθεῖσιν ”
Übersetzungen
The Samnites, seeing that neither the terms were observed by the Romans nor gratitude manifested in any other way, and that few men instead of many were surrendered, in violation of the oaths, became terribly angry and conjured the Romans in the name of the gods; and reminding them of their pledges, they demanded back the captives and ordered them to pass naked under the same yoke from which through pity they had been released, in order that by experience they might learn to abide by terms which had once been agreed upon.
 
#10
Quellenangabe
Zonar. 7.26.
Quellentext
ἵνα δὲ τὰ τῆς ὁμολογίας καὶ παρὰ τῆς γερουσίας βεβαιωθῶσι, τῶν ἱππέων ἑξακοσίους εἰς ὁμηρείαν κατέσχον.
Übersetzungen
And in order to make sure that the articles of the agreement were ratified also by the senate, they retained six hundred of the knights as hostages.
 
#11
Quellenangabe
App. Samn. 4.4.6.
Quellentext
[6] ἀπαγγελθέντων δὲ τούτων ἐς τὸ στρατόπεδον ὀλοφυρμὸς ἦν καὶ θρῆνος ἐπὶ πλεῖστον: θανάτου γὰρ ἡγοῦντο εἶναι χείρονα τὴν ὕβριν τὴν ὑπὸ τῷ ζυγῷ. ὡς δὲ καὶ περὶ τῶν ἱππέων ἐπύθοντο, αὖθις ἐθρήνουν ἐπὶ πλεῖστον. ὑπὸ δὲ ἀπορίας αὐτὰ ἐδέχοντο, καὶ τοὺς ὅρκους ὤμνυον ὅ τε Πόντιος καὶ οἱ Ῥωμαίων ὕπατοι, δύο ὄντες Ποστούμιός τε καὶ Οὐετούριος, καὶ ταμιαι δύο καὶ ταξιάρχαι τέσσαρες καὶ χιλίαρχοι δώδεκα, σύμπαντες ὅσοι μετὰ τοὺς διεφθαρμένους ἦρχον. γενομένων δὲ τῶν ὅρκων ὁ μὲν Πόντιος παραλύσας τι τοῦ διατειχίσματος, καὶ δυσὶ δόρασιν ἐς τὴν γῆν ἐμπεπηγόσιν ἐπικάρσιον ἄλλο ἐπιθείς, ἐξέπεμπε Ῥωμαίων ἕκαστον ὑπὸ τούτῳ. καί τινα ὑποζύγια ἔδωκεν αὐτοῖς ἐς τοὺς ἀρρωστοῦντας, καὶ τροφήν, ἄχρι τῆς Ῥώμης φέρεσθαι. δύναται δ᾽, ἐμοὶ δοκεῖν, τὸ εἶδος τῆς ἀφέσεως, ὃ καλοῦσιν οἱ τῇδε ζυγόν, ὀνειδίζειν ὡς δοριαλώτοις.
Übersetzungen
[6] When these terms were communicated to the camp there was wailing and lamentation, long and loud, for they considered the disgrace of passing under the yoke worse than death. Afterwards, when they heard about the knights who were to be held as hostages, there was another long lament. Yet they were compelled by want to accept the conditions. Accordingly they took the oaths, Pontius on the one side, and the two consuls, Postumius and Veturius, on the other, together with two quæstors, four division commanders, and twelve tribunes,--all the surviving officers. When the oaths had been taken, Pontius opened a passage from the defile, and having fixed two spears in the ground and laid another across the top, caused the Romans to go under it as they passed out, one by one. He also gave them some animals to carry their sick, and provisions sufficient to bring them to Rome. This method of dismissing prisoners, which they call sending under the yoke, seems to me to serve only to insult the vanquished.
Literatur (Auswahl)
Walker, Hostages, Case-Nr. 54.
Crawford, M., Foedus and Sponso, in: PBSR 41, 1973, 1-7.
Ermann, Joachim; Liv. 9, 9, 15: sponsio…quae neminem praeter sponsorem obligaret, in: ZSR 121, 2005, 314-322.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
T. Veturius Calvinus, Konsul
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Sp. Postumius Albinus, Konsul
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#3
Name, Titel/Rang
Pontius, Anführer der Samniten
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Samniten
 
#4
Name, Titel/Rang
Lucius Cornelius Lentulus, Legat
Rolle
Vermittler
Zugehörigkeit
Rom
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
(Keine Auswahl)
Ort der Geiselstellung
Gaudinum
Akte symbolischer Kommunikation
Stellen von Bürgen, Gang unter das Joch
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Anzahl der Geiseln
600
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Name, Titel
römische Ritter
Geschlecht
männlich
Antritt der Vergeiselung
ja
Aufenthaltsort der Geiseln
Luceria
Schicksal der Geiseln
Terminus
Terminus 'Übereinkunft'
foedus sponsio συνθήκας τῆς ὁμολογίας