Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

639 Dokumente in 'Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit'
Name
 
-0176 Geiselstellung an Prokonsul Tib. Sempronius Gracchus d. Ä. durch Sardinien
Name
-0176 Geiselstellung an Prokonsul Tib. Sempronius Gracchus d. Ä. durch Sardinien
Vorausgegangener Konflikt
Feldzug gegen Sardinien
Datum/Zeitangabe
-176
Inhalt/Kommentar
Ein Aufstand von Iliensern und Balarern hatte den Senat veranlasst Tiberius Sempronius Gracchus nach Sardiniern zu schicken (Liv. 41.6.5-7). Er unterwarf die ganze Insel. Es herrschte kein endgültiges Vertrauen in den Frieden, obwohl Geiseln gestellt worden waren, sonst hätte man die Heimkehr des siegreichen Heeres sofort gestattet. Hierin ist ein Hinweis zu sehen, dass die Geiseln oftmals nicht wirklich den Frieden sicherten, sondern dem Feldherrn eher als Argument für die Anerkennung seiner Leistung dienen sollten. Die Gewährung einer 'supplicatio' und später auch eines Triumphes unterstreichen die Wirkung der Geiselstellung in Rom. Generell bestehen aber Zweifel, ob die Ereignisse diesem Feldzug zugeordnet werden können, denn schon in der Antike war nicht eindeutig, ob der auf die große Gefangenenzahl zurückzuführende Ausdruck Sardi venales seinen Ursprung im Sardinienkrieg von 177, von 163 oder gar in dem eines gleichnamigen Konsuls von 238 v. Chr. hatte (Auct. Vir.ill. 57; Zon. VIII, 18, Sinnius Capito fr. 20 Funaioli. Zum vermeintlichen Feldzug von 238 v. Chr. siehe Ameling 2002, S. 273 mit Anm. 35)
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Liv. 41.17.1-4.
Quellentext
Et Ti. Sempronius eodem tempore in Sardinia multis secundis proeliis Sardos perdomuit. [2] Quindecim milia hostium sunt caesa, omnes Sardorum populi, qui defecerant, in dicionem redacti. Stipendiariis veteribus duplex vectigal imperatum exactumque; ceteri frumentum contulerunt. [3] Pacata provincia obsidibusque ex tota insula ducentis triginta acceptis legati Romam, qui ea nuntiarent, missi, quique ab senatu peterent, ut ob eas res ductu auspicioque Ti. Semproni prospere gestas diis immortalibus honos haberetur ipsique decedenti de provincia exercitum secum deportare liceret. [4] Senatus in aede Apollinis legatorum verbis auditis supplicationem in biduum decrevit et quadraginta maioribus hostiis cónsules sacrificare iussit, Ti. Sempronium proconsulem exercitumque eo anno in provincia manere.
Übersetzungen
Auch Tib. Sempronius bezwang gleichzeitig in Sardinien in vielen siegreichen Kämpfen die Sarden ganz und gar. [2] 15 000 Feinde wurden erschlagen, alle Völker der Sarden, die abgefallen waren, wieder zum Gehorsam gebracht. Denen, die schon früher tributpflichtig gewesen waren, wurde eine Steuer in doppelter Höhe auferlegt und von ihnen eingetrieben; die übrigen lieferten Getreide ab. [3] Als er die Provinz unterworfen und 230 Geiseln aus der ganzen Insel erhalten hatte, schickte er Gesandte nach Rom, die dies melden und den Senat bitten sollten, wegen dieser glücklichen Ereignisse unter der Führung und Leitung des Tib. Sempronius den unsterblichen Göttern Ehre zu erweisen und ihm selbst bei seinem Weggang aus der Provinz zu erlauben, sein Heer mit sich wegzuführen. [4] Der Senat hörte die Worte der Gesandten im Tempel des Apollo. Er beschloß ein zweitägiges Dankfest und befahl den Konsuln, 40 ausgewachsene Opfertiere zu opfern. Tib. Gracchus wurde aufgefordert, als Prokonsul mit seinem Heer in diesem Jahr in der Provinz zu bleiben.
Literatur (Auswahl)
Walker, Hostages, Case-Nr. 135.
Ameling, Walter; Ein karthagischer Numiderkrieg im Jahr 237, in: Geus, Klaus / Zimmermann, Klaus (Hg.); Punica – Libyca – Ptolemaica: Festschrift für Werner Huß, Leuven 2002, S. 265-276.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Tib. Sempronius Gracchus d. Ä., Prokonsul
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Ilienser und Balarer (Sarden)
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Sardinien
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
Unterwerfung
Ort der Geiselstellung
Sardinien
Geltungsbereich
Sardinien
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Anzahl der Geiseln
230
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Antritt der Vergeiselung
ja
Schicksal der Geiseln
Terminus
Semantisches Feld 'Sicherheit'
Pacata