Geiselstellungen von der Antike bis zur Neuzeit

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Name
 
-0217 Geiselstellung an Konsul Gnaeus Servilius Geminus durch Korsika und Sardinien
Name
-0217 Geiselstellung an Konsul Gnaeus Servilius Geminus durch Korsika und Sardinien
Vorausgegangener Konflikt
2. Punischer Krieg
Datum/Zeitangabe
-217
Inhalt/Kommentar
Aus Polybios 3.88.8, der die Geiseln nicht erwähnt, erfährt man den näheren Kontext der Aktion. Der Konsul war vom Dictator mit dem Kommando über eine Flotte betraut worden, um die italische Küste gegen punische Angriffe zu schützen. Bei Livius heißt es etwas detaillierter, der konkrete Anlass sei ein punischer Überfall auf eine Proviantflotte bei Cosa gewesen. Als ein weiterer punischer Verband (sofern es nicht derselbe war) von Karthago aus über Sardinien die Gegend von Pisa angegriffen und sich erneut über Sardinien auf den Rückweg gemacht hatte, nahm Servilius die Verfolgung auf (Pol. 3.96.11). Bei Polybios wird die ganze Aktion des Geminus positiv gewertet, während Livius auch Fehlschläge auf dem afrikanischen Festland berichtet. Womöglich wurde die Geiselstellung in dieser Überleiferungstradition als eine Art Korrektiv erwähnt, um trotz des Rückschlags in Afrika eine Erfolgsmeldung zu haben.
Die Inseln Korsika und Sardiniern waren wohl seit 227 v. Chr. zur Provinz gemacht worden. Somit kann die Geiselstellung formal keine Unterwerfung mehr bedeutet haben, sondern dürfte eine vorbeugende Maßnahme angesichts punischer Flottenaktivitäten gewesen sein. Laut Liv. 22.25.6 standen Truppen auf Sardinien. Diese sollten womöglich durch Geiselstellung zusätzlichen Schutz erhalten. Besonders Sardinien dürfte in Teilen noch stark punisch geprägt gewesen sein, wie auch die sardischen Aufstände im Verlauf des 2. Punischen Krieges zeigen.
Quellenangabe
 
#1
Quellenangabe
Livius, 22.31.1-2
Quellentext
dum haec geruntur in Italia, Cn. Servilius Geminus consul cum classe centum viginti navium circumvectus Sardiniae et Corsicae oram et obsidibus utrimque acceptis in Africam transmisit, et priusquam in continentem escensiones faceret, menige insula vastata et ab incolentibus Cercinam, ne et ipsorum ureretur diripereturque ager, decem talentis argenti acceptis ad litora Africae accessit copiasque exposuit.
Übersetzungen
Während dieser Vorgänge in Italien umfuhr der Konsul Gnaeus
Servilius Geminus mit einer Flotte von 120 Schiffen die Küste von
Sardinien und Korsika. Von beiden Inseln erhielt er Geiseln; dann
setzte er nach Afrika über. Bevor er dort an Land ging, verwüstete
er die Insel Menix und erhielt von den Einwohnern Cercinas zehn
Talente Silber, damit ihr Gebiet nicht verbrannt und ausgeplündert
werde.
Literatur (Auswahl)
Walker, Case-Nr. 98.
Akteur
 
#1
Name, Titel/Rang
Konsul Gnaeus Servilius Geminus
Rolle
Vertragspartner
Zugehörigkeit
Rom
 
#2
Name, Titel/Rang
Sardinien
Rolle
Vertragspartner
 
#3
Name, Titel/Rang
Korsika
Rolle
Vertragspartner
Religiöse Konstellation
(Keine Auswahl)
Art der Übereinkunft
(Keine Auswahl)
Ort der Geiselstellung
Sardinien / Korsika
Geltungsbereich
Sardinien und Korsika
Weitere Sicherheitsinstrumente
Befristung
Nein
Personenangaben zu den Geiseln
 
#1
Geschlecht
(Keine Auswahl)
Antritt der Vergeiselung
ja
Schicksal der Geiseln
Terminus